Kardinal Kasper feiert Priesterjubiläum an PTHV

Vallendar, 05. Juni 2007 - Am 6. April konnte Walter Kardinal Kasper auf 50 Jahre als Priester zurückblicken. Die äußere Feier dieses Jubiläums fand am ersten Juniwochenende an der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Vallendar statt. Der Jubilar ist den Pallottinern und besonders der Hochschule seit vielen Jahren sehr verbunden. So erhielt er 2003 die Ehrendoktorwürde der PTHV - 2005 wurde das "Kardinal Walter Kasper Institut" gegründet. Es hat den Auftrag, die Theologie und das ökumenische Engagement Kardinal Kaspers zu erforschen und für die weitere wissenschaftliche Forschung zu sichern.

Das Festwochenende wurde am Freitag, 1. Juni, mit einem Festakt in der Aula der Hochschule eröffnet. Zu Beginn begrüßte Hochschulrektor Prof. P. Dr. Heribert Niederschlag SAC die zahlreich erschienenen Persönlichkeiten aus Kirchen und Politik, darunter den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, den Vorsitzenden der bischöflichen Ökumenekommission, Bischof Müller (Regensburg), den griechisch-orthodoxen Metropoliten Augustinos (Bonn), Superintendent Dröge aus Koblenz, der in Vertretung des Vorsitzenden der EKD nach Vallendar gekommen war sowie den stellvertretenden Ministerpräsidenten des Landes Rheinland-Pfalz, Karl Peter Bruch.


Berufung zum Dienst

Nach den einführenden Worten wandten sich einige der Gäste mit persönlichen Grußworten an den Jubilar. So lies Karl Kardinal Lehmann die verschiedenen Stationen des priesterlichen Wirkens Kaspers Revue passieren. "Walter Kasper hat nie einfach Ämter in sich und in ihrer Würde betrachtet. Er hat sie im Sinn des Zweiten Vatikanischen Konzils wirklich als Berufung zum Dienst verstanden." Dieses Verständnis von Berufung habe Kardinal Kasper auf seinen unterschiedlichen Tätigkeitsfelder stets beibehalten – als Priester, Hochschullehrer, Bischof und schließlich auch Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. In großer Dankbarkeit für Kaspers Arbeit schloss Lehmann seine Worte mit dem Wunsch, dass der Jubilar an Leib und Seele gesund noch viele Jahre seinen wichtigen Dienst für die Einheit der Christen leisten könne. Wie fruchtbar dieser Dienst in den vergangenen Jahren bereits war zeigten die anschließenden Grußworte. Vertreter der evangelischen, der russisch-orthodoxen und der armenisch-apostolischen Kirche lobten das ökumenische Engagement des Jubilars. So beschrieb Erzbischof Mesrob K. Krikorian als geduldigen und freundlichen Gesprächspartner, "Er ist der richtige Mann für einen Dialog der Theologie und des Verständnisses."

Zum Priesterberuf ermutigen

Im Anschluss an die Grußworte richtete der Jubilar selbst den Blick zurück auf 50 Jahre Priestertum. Dabei erinnerte er sich besonders gern an seine Familie, an sein Hereinwachsen in Glauben und Kirche. Er bedauerte, dass es in der heutigen Zeit oftmals den Anschein habe, dass Gemeinden und Familien der Berufung zum Priestertum mit wenig Freude gegenüberstehen. Vor diesem Hintergrund formulierte Kasper: "Es muss in unseren Gemeinden eine Atmosphäre entstehen, die junge Menschen zum Priesterberuf ermutigt. Gemeinden müssen Biotope von Priesterberufen werden." In der Folge warf er in kurzen Streiflichtern einen frohen Blick auf die verschiedenen Stationen seines priesterlichen Dienstes. "Ich bereue es nicht, diesen Weg gewählt zu haben." Im Hinblick auf sein aktuelles Betätigungsfeld als Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen formulierte der Kardinal zum Abschluss noch seine Sicht der Ökumene: "Ich bin nicht für eine Kuschelökumene, sondern eine Ökumene des Austauschs. Ich habe in diesem Austausch viel gelernt. In der Begegnung mit den Vertretern der unterschiedlichen Kirchen erfährt man tatsächlich Weltkirche – katholische Kirche."
Zum Abschluss des Festaktes ergriff nochmals Hochschulrektor P. Niederschlag das Wort. Er dankte P. George Augustin SAC, dem Leiter des Kardinal Walter Kasper Instituts, und seinen Mitarbeitern für die Organisation und dem Klarinettenquartett "Clarinettissimo" für die musikalische Gestaltung des Festaktes.

Das Festwochenende wurde am Samstag mit einem Symposium zum Thema: Ökumene wohin? – Unterschiedliche Konzepte kirchlicher Einheit im Vergleich" fortgesetzt. Vertreter der unterschiedlichen christlichen Kirchen stellten ihre Positionen dar und kamen darüber ins Gespräch. Dabei wurde Ökumene als ein auf theologischer Ebene sehr lebendiger Prozess beschrieben, der jedoch, dies betonte Kardinal Kasper in seinem Resümee, Geduld, lächelnde Gelassenheit sowie die Entschiedenheit braucht, den Weg des II. Vatikanischen Konzils weiter zu gehen. Der Samstag schloss mit einem ökumenischen Vespergottesdienst und einem Benefizkonzert zu Ehren des Jubilars.

Als feierlicher Abschluss und Höhepunkt der Tage in Vallendar feierte Kardinal Kasper am Sonntag ein Pontifikalamt in der Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus in Vallendar.