Symposium „Die Strahlkraft des Glaubens. Identität und Relevanz des Christseins heute“ (8. bis 10. März 2015)

8. theologisches Symposium des Kardinal Walter Kasper Institutes

Das Symposium des Kardinal Walter Kasper Institutes (KWKI) an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar (PTHV) fand zum 8. Mal vom 8. bis 10. März 2015 unter dem Titel: „Die Strahlkraft des Glaubens. Identität und Relevanz des Christseins heute“ an der PTHV statt. Kardinal Walter Kasper eröffnete das Symposium am Sonntagabend mit dem „Evangelium der Freude. Impulse von Papst Franziskus“. Mit der „Strahlkraft des Glaubens. Identität und Relevanz des Christseins heute“ sei der Punkt getroffen, an dem es uns fehle, so Kardinal Kasper. „Eine Kirche, in der es so viel Unzufriedenheit gibt, zieht niemand an und ist darum nicht missionarisch.“ Hauptbestandteil seiner Ansprache war eine Einführung in die Theologie von Papst Franziskus. Der Papst kehrt zurück zum Evangelium in seinem ursprünglichen Wortsinn, das öffentliche Ausrufen der frohen Botschaft. Dabei gehe es ihm um eine Kirche für die Armen, und eine Volk-Gottes-Theologie, in der die Ortskirchen gestärkt werden (synodale Struktur).

Festakt zum 65. Geburtstag von Kardinal Kurt Koch.

Mit dem Symposium verbunden war am Montagnachmittag die Feier zum 65. Geburtstag von Kardinal Kurt Koch, Präsident des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. In diesem Amt ist Kardinal Koch Nachfolger von Kardinal Walter Kasper. Er ist seit langem eng mit dem KWKI verbunden. Prof. Dr. George Augustin SAC, Direktor des KWKI an der PTHV, begrüßte die zahlreich erschienen Gäste, darunter eine Vielzahl von Kardinälen, Bischöfen und Förderern des Institutes. Kardinal Gerhard Müller, Präfekt der römischen Glaubenskongregation, betonte, dass die Kirche missionarisch gelebt werden solle und dankte Kardinal Koch für den fast 30 jährigen gemeinsamen geistlichen und kirchlichen Weg. „Ihre Vorträge und Veröffentlichungen regen zum Dialog an, wenn sie nicht auch aus dem Dialog entstanden sind“, sagte der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann in seinem Grußwort. Er beschrieb Kardinal Kurt Koch als jemanden, der ins Gespräch mit den Menschen tritt. „So kommen wir auf dem Weg der Einheit der Christen voran“, sagte Bischof Ackermann. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Helmut Hoping, Freiburg. Er gab einen Einblick in das Leben und Wirken von Kardinal Koch und hob dessen Fähigkeit hervor, tief gehende theologische Inhalte sehr plastisch formulieren zu können. „Kardinal Kurt Koch ist bekannt für seine theologische Schlagfertigkeit“, sagte Prof. Hoping und bezeichnete Kardinal Koch als authentischen Zeugen Christi. Er vermittle einen lebendigen Glauben, so wie es der Titel des Symposiums „Die Strahlkraft des Glaubens“ einfordere. Er sei im Denken vorangeschritten, aber in allen Entwicklungen derselbe geblieben, sagte Prof. Hoping über Kardinal Koch.

Prof. Dr. George Augustin SAC, Direktor des Kardinal Walter Kasper Institutes (KWKI) (links im Bild) und Prof. Dr. Markus Schulze SAC, Dekan der Theologischen Fakultät der PTHV (Mitte) überreichten Kardinal Kurt Koch die für ihn angefertigte zweibändige Festschrift.

Die zweibändige Festschrift, erschienen im Verlag Herder unter dem Titel „Freude an Gott“ überreichten die Herausgeber Prof. Augustin und Prof. Dr. Markus Schulze SAC, Dekan der Theologischen Fakultät der PTHV. „Das Schlüsselwort für alle Beiträge ist Dialog – Dialog auf allen Ebenen“, sagte Prof. Schulze. Nach weiteren Gratulationsworten durch die Schweizer Bischöfe Markus Büchel und Dr. Felix Gmür sowie den Ratspräsidenten der evangelischen Kirche in der Schweiz, Dr. Gottfried Locher, dankte Kardinal Kurt Koch dem KWKI und der PTHV für die Freundschaft und herzliche Verbundenheit. Der Festakt endete mit einem Pontifikalhochamt in der Hochschulkirche.

In seinem wissenschaftlichen Teil beschäftigte sich das Symposium mit der Frage nach Möglichkeiten und Chancen für eine Verlebendigung und Vertiefung des Glaubens.

Dabei gab es sowohl biblische, systematische wie auch soziologische Beiträge von bekannten Referenten wie Prof. Dr. Michael Theobald, Tübingen, Prof. Dr. Dr. h. c. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Heiligenkreuz, und Prof. em. Dr. Dr. Karl Gabriel, Münster. Er sprach zum Thema: „Von der Postsäkularität zu den multiplen Modernen und Säkularitäten“.

Gruppenbild der Autoren der Festschrift für Kardinal Kurt Koch.

Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Rom, sprach zum Thema: „Armut als Weg der Evangelisierung“.

Nach einer Diskussion folgte ein Vortrag von Kardinal Kurt Koch, Rom, zum Thema: „Das Gute selbst ist kommunikativ. Evangelisierung als Wirkung eines strahlenden Glaubens“. „Das Böse in der Welt ruht nicht in sich selbst, sondern aus Bösem wird immer wieder Böses entstehen“. In seinem Vortrag verdeutlichte Kardinal Koch, dass sich jedoch nicht nur das Böse vergiftend auswirke, sondern sich auch das Gute mitteilen möchte. „Es gibt nicht nur eine Erbschuld, sondern auch das Erbgut – dieses ist Zeugnis für das Gute.“ Daher solle der Auftrag der Evangelisierung nicht als Pflicht, sondern aus sich selbst heraus geschehen. Das führe zu einem neuen Selbstbild des Menschen, der sich selbst aus der Hand geben und dem lebendigen Gott anvertrauen solle. „Es ist keinesfalls die Leistung, die den Mensch zum Menschen macht. Schon gar nicht machen gute Werke gute Menschen“, sagte Kardinal Koch. Der Mensch solle in Gott festen Halt für sein Leben finden. „Glaube ist die Befreiung aus dem Gefängnis vor sich selbst“, so Kardinal Koch. Nicht das eigene Selbst solle in den Mittelpunkt gestellt werden, vielmehr seien die Ziele Vertrauen und Liebe. Denn Liebe sei die Aufforderung zum Empfangen der Liebe Gottes. „Froh werden kann nur, wer sich selbst annehmen und dem eigenen Leben zustimmen kann“, sagte Kardinal Koch. Der christliche Glaube sei keine Ansammlung von Verboten, sondern vielmehr das Tun von vielen schönen Werken. „Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein“, so Kardinal Koch. „Zum Christsein gehört die Umkehr, sich zum wahren Christen zu bekehren.“ Daher brauche es heute dringend einer missionarischen Rückbesinnung der Kirche, die in der überfließenden Liebe wurzelt, und die aus sich selbst heraus strahle. Mit einem Gottesdienst endete das diesjährige Symposium des KWKI.