Ökumene in aktiver Geduld

Symposion und Festwochenende aus Anlass des Goldenen Priesterjubiläums von Kardinal Kasper 1.-3. Juni 2007

Dankbar blickt unsere Hochschule zurück auf die inhaltlich reich gefüllten und atmosphärisch dichten Veranstaltungen am vergangenen Wochenende. Führende Vertreter aus christlichen Kirchen und ökumenischer Theologie trafen in unserem Haus zusammen, um Leben und Wirken von Kardinal Kasper zu ehren und sich durch eigene Beiträge am Mühen um die Einheit der Kirchen zu beteiligen.

Beim Symposion „Ökumene wohin? – Unterschiedliche Konzepte kirchlicher Einheit im Vergleich“ stellten am Samstag der armenische Erzbischof Krikorian aus Wien sowie Prof. Vletsis aus München orthodoxe Positionen dar und kamen durch Altbischof Scheele (Würzburg) und Dr. Oeldemann (Paderborn) ins Gespräch mit der katholischen Seite. Die evangelisch-katholische Diskussion vertraten die Professorinnen Nüssel und Sattler vom ökumenischen Institut in Münster durch ein gemeinsam vorbereitetes Dialog-Referat. Dabei wurde Ökumene als ein auf theologischer Ebene sehr lebendiger Prozess deutlich, der jedoch, dies betonte Kardinal Kasper in seinem Resümee, Geduld, lächelnde Gelassenheit sowie die Entschiedenheit braucht, den Weg des Konzils weiter zu gehen. Dabei sind bestehende Unterschiede der Konfessionen und Kirchen nicht zu verwischen, wohl aber in einen fruchtbaren Austausch zu bringen.


Als große Herausforderungen für die christlichen Kirchen führte Kasper das Zusammenwachsen Europas an. Europa müsse sich auf seine christlichen Wurzeln besinnen. Ohne christliches Erbe als "gemeinsamer Seele" könne Europa nicht gelingen. Deshalb müsse in der EU-Verfassung auch der Gottesbezug verankert werden. Nach Aussage Kaspers kommt dem ökumenischen Dialog mit der Orthodoxie mit Blick auf die europäische Osterweiterung eine entscheidende Bedeutung zu. Wenn es nicht gelinge, die orthodoxe Kirche einzubinden, sei eine Integration von Ost- und Westeuropa nicht vorstellbar, so der Kurienkardinal. Er begrüßte die wechselseitige Anerkennung der Taufe von elf christlichen Kirchen in Deutschland als großen Fortschritt.


Am Freitagabend (1.6.07) beim Festakt konnte Rektor Prof. Niederschlag Persönlichkeiten aus Kirche und Politik begrüßen, darunter den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Lehmann, den Vorsitzenden der bischöflichen Ökumenekommission Bischof Müller (Regensburg), den griechisch orthodoxen Metropoliten Augustinos (Bonn), Superintendent Dröge aus Koblenz in Vertretung für den Vorsitzenden der EKD, den stellv. Ministerpräsidenten des Landes Rheinland Pfalz Karl Peter Bruch, Abteilungsleiter Josef Mentges vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur in Mainz, die Bürgermeister der Vallendarer Orts- und Verbandsgemeinde.


In oft sehr persönlicher Weise würdigten sie Ansehen und Wirken des Kardinals und hoben immer wieder sein natürlich menschliches Auftreten als Vertrauen schaffende Basis für Ökumene und Dialog hervor. Er selbst blickte auf sein Leben als Priester, Bischof und Theologe zurück. Seiner Ansicht nach wird in der Kirche manchmal zu viel von der Kirche gesprochen. Sie sei schließlich eine Gemeinschaft von Menschen, auch von sündigen Menschen. Vielmehr gelte es, auf die Person Jesus Christus zu schauen und die Gottesfrage ins Zentrum zu rücken. „Es muss wieder eine Selbstverständlichkeit werden, von Gott zu reden“, lautete einer seiner Merksätze. Er erzählte auch von bewegenden Gesprächen in Rom mit Bischöfen aus anderen Kirchen und stellte fest: "Der Heilige Geist erlaubt sich auch außerhalb unserer Kirche zu blasen“.


Ein Benefizkonzert zugunsten der Hochschule am Samstagabend sowie ein festlicher Gottesdienst in der Vallendarer Pfarrkirche am Sonntag rundeten das Programm ab, dessen Planung und Organisation in den Händen des Kardinal Walter Kasper Instituts (www.kardinal-kasper-stiftung.de) unserer Hochschule lag. Auch an dieser Stelle sei dessen Leiter Prof. George Augustin sowie den theologischen Mitarbeitern Stefan Ley und Ingo Proft für die präzise Arbeit im Vorfeld gedankt.

Die Vorträge des Symposions werden veröffentlicht.

Nachfragen unter 0261-6402-605 oder E-Mail: kasper-institut@pthv.de.